Löschen kann so einfach sein


29 05 2009
Ursula von der Leyen plant ja bekanntermaßen, im Internet große Stopp-Schilder auzustellen, die dafür sorgen sollen Kinderpornographie einzudämmen. Ihr Vorschlag hört sich ja auch ganz gut an, doch was bringt es denn, wenn ich solche Seiten nur verstecke? Ein Pädophiler wird sich kaum von einem virtuellen Schildchen aufhalten lassen, wenn er im Netz auf der Suche nach entsprechendem Material ist! Letztendlich wären die Inhalte ja immer noch erreichbar im Netz und die Sperre liese sich auch durch technisch unversierte Menschen relativ leicht umgehen.

Diese Erkenntnis scheint aber noch nicht so ganz bis zu unserer Familienministerin durchgedrungen zu sein. Die Devise muss daher lauten:

Löschen statt sperren!

Denn was nicht mehr existiert, kann auch nicht angeschaut werden. Klingt doch logisch, oder?

Und das die Sache mit dem Löschen sogar verdammt einfach funktionieren kann, hat Web-Aktivist Alvar Freude bewiesen, in dem er Provider anschrieb, mit der Bitte entsprechendes Material zu löschen: Löschen statt verstecken! Es funktioniert!

Mehr Infos beim AK Zensur



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Zensursula und ihre wirkungslosen Internetsperren


22 05 2009
Das Thema kocht ja schon seit Wochen im Netz hoch, aber ich komme leider erst jetzt dazu, meinen Senf dazu abzugeben...

Kinderpornografie bzw. Kindesmissbrauch ist eine schlimme Sache und gehört mit aller Härte des Gesetzes bestraft. Da werden sich die meisten einig sein. Als frisch gebackener Vater, will ich mir auch gar nicht vorstellen, was ich mit jemandem machen würde, der meine Tochter falsch anfasst. Das es im Internet leider allerlei dunkle Ecken gibt, in denen man Sachen findet, die man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen mag, sollte sich auch herumgesprochen haben. Die liebe Politik, allen voran unsere knuffige Familienministerin, Ursula von der Leyen, will uns jetzt aber weiß machen, dass Internetsperren eine effektive Maßnahme seien, um solche Angebote aus dem Netz zu bekommen. Einfach ein rotes Stoppschild aufstellen und in Deutschland wird nie wieder ein Kind missbraucht - könnte man meinen.

Stopp-Schild Internetsperren Zensursula BKAEs soll dann in Zukunft so sein, dass man bei Eingabe einer Adresse eines solchen Angebotes, ein großes rotes Stoppschild zu sehen bekommt. Hört sich ja soweit ganz gut an, bringt bloß nichts. Auch wenn es nicht gefällt, eine bloße Sperrung der Seite lässt sich kinderleicht umgehen, dazu braucht man nicht mal besonders gute Computer-Kenntnisse. Also nochmal: Sperren bringt nichts! Die Angebote sind nämlich weiter erreichbar und gehören statt dessen gelöscht! Allerdings will das Frau von der Leyen, die im Netz seit neuestem nur noch ZensUrsula heißt, nicht so ganz kapieren. Aber es ist ja Wahlkampf und mit diesem Thema lässt es sich in der Bevölkerung einfach punkten. Und sind wir doch mal ehrlich: im ersten Moment hört sich das doch für jeden gut an, so eine "Sperre gegen Kinderporno-Seiten". Von daher verwundert mich es auch nicht, dass bei einer aktuellen Umfrage der Meinungsforscher von infratest dimap, 92% der Befragten angeben, sie seien für solche Internetsperren.

Unter dem Deckmantel des Kinderschutzes will man also mal eben eine Zensur fürs Internet einführen, die sich dabei aber jeglicher rechtsstaatlicher Kontrolle entziehen darf. Wer da noch über China und deren "Great Firewall" schimpft, sollte mal daran erinnert werden, dass wenn ich mit dem Finger auf andere zeige, immer noch drei Finger auf mich selbst zurück zeigen.

Und wenn sogar Menschen, die als Kind selber Opfer von Kinderschändern waren, sich gegen diese Internetsperren aussprechen, sollte man langsam mal aufwachen. Genauso wenn Eltern aus IT-Berufen, also diejenigen, die sich von der technischen Seite mit der Materie auskennen müssen, eine Erklärung im Netz unterschreiben, die sich gegen Internetsperren richtet, sollte doch im Gehirn ein Denkprozess starten. Und was ist mit den mittlerweile über 90.000 Unterzeichnern einer Petition gegen Internetsperren? Alles potenzielle Kinderschänder?

Wer jetzt immer noch glaubt, rote Stopp-Schildchen im Netz seien eine wirksame Methode um Kindesmissbrauch einzudämmen, sollte sich bitte zehn Minuten Zeit nehmen und diesen Beitrag des NDR ansehen:



Also nochmal im Klartext Internetsperren helfen niemandem, besonders nicht den Opfern!

Löschen statt sperren!

Weblinks:

Mogis - MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren
Online Petition gegen Internetsperren



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Mit Kinderwagen muss ich wie ein Hooligan aussehen


18 05 2009
Zumindest vermittelte mir dies die Staatsmacht am Samstag Abend am Stuttgarter Hauptbahnhof. Da meine Freundin mit Fieber im Bett lag, schnappte ich mir am Mittag unsere Kleine und besuchte erst meine Großeltern und anschließend noch ein paar Freunde in Bietigheim-Bissingen. Am Abend, um 19.56 Uhr um genau zu sein, fuhr ich dann mit einem Regionalexpress zurück nach Stuttgart und durfte dort auf dem Bahnsteig was ganz interessantes erleben.

Schon im Zug fiel mir eine Hand voll Bayern-Fans auf, die beim Spiel des FCB in Hoffenheim und jetzt auf dem Weg nach Hause waren. Kaum aber hatte ich am Hauptbahnhof den Zug verlassen, wurden aus einer Hand voll Fans, ein paar hundert Fans, die zudem von dem ein oder anderen Polizeibeamten begleitet wurden.

Ich schob dann den Kinderwagen durch die Menge hindurch und sah schon von weitem, dass das Ende des Bahnsteigs durch drei Reihen von Bereitschaftspolizisten, die da in voller Ausrüstung standen, blockiert war. Ich dachte natürlich, die werden mich schon durchlassen, schließlich habe ich ja einen Kinderwagen dabei - aber da hatte ich mich mal mächtig getäuscht.

Ich stand zuerst am linken Rand des Bahnsteigs, vor mir eine Mauer aus Polizisten und sah, dass ich nichts sah. Zumindest keine Bewegung bei den Damen und Herren in Grün, die darauf schließen lies, dass ich durchgelassen werden könnte. Nach etwa einer halben Minute schob ich den Wagen in Richtung Bahnsteigmitte, wo mir eine Polizistin zu Verstehen gab, auch hier ginge es für mich nicht durch. Wenn dann nur da rechts außen. Dort wurde nämlich jeweils eine Person nach der anderen durchgelassen, aber natürlich erst nachdem der Personalausweis kontrolliert wurde. Ich freute mich schon darauf, etwas mehr Zeit als geplant am Hauptbahnhof verbringen zu dürfen, und malte mir gerade aus, wie es wird, wenn ich mitten auf dem Bahnsteig, zwischen einer Horde halbstarker Möchtegern-Ultras, Windeln wechseln darf. Aber - ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet - erkannte ein Polizist, dass von mir und meinem Kinderwagen wenig Gefahr ausgeht und sagte, ich könne zwischen den Polizisten durch gehen. Aber wenn, dann bitte nur gaaaanz langsam.

Am Ende eines Tages, an dem ich mich sowieso schon ständig wunderte, wie rücksichtslos viele Menschen in der Bahn sind, weil sie zwar mehr als genug Platz haben um am Kinderwagen vorbei zu kommen und trotzdem dran rammen, als müsste müsste man Punkte beim "Hau den Lukas" sammeln (das war dann der Punkt an dem ich doch auch hätte gewalttätig werden können), war dieses Erlebnis dann doch irgendwie das Tüpfelchen auf dem i.



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