Ein Herd, ein Möchtegern-Elektriker und viele Schutzengel


06 11 2008
Ich bin immer noch geschockt und vor meinen Augen spielen sich wahre Horrorszenarien ab, wenn ich an das denke, was alles hätte passieren können, wenn meine schwangere Freundin am vergangenen Samstag nicht mehrere Schutzengel um sich gehabt hätte. Laut dem Elektriker, der gestern alles wieder in Ordnung gebracht hatte, Herrn Rainer Merkt aus Stuttgart-Kaltental, hat sie an mehreren Stellen riesiges Glück gehabt, als es einen Kurzschluss an unserem neuen Kochfeld gab.

Was war passiert? Zum 15. Oktober sind wir in unsere neue Wohnung in Stuttgart-Kaltental eingezogen und hatten für diese Wohnung Anfang Oktober eine neue Küche inklusive Kühlschrank, Spülmaschine und Herd/Ofen gekauft. Den Aufbau der Küche habe ich selbst übernommen, nur den Herd wollte ich mir von einem Elektriker anschliessen lassen. Da mit 400V Drehstrom nicht zu spaßen ist, wollte ich das lieber von einem Profi erledigt wissen. Bei Anrufen bei verschiedenen Elektrikern hatte ich leider immer nur vage Angaben zu den Kosten erhalten und da es recht mühsam ist, sich zig Angebote per Telefon einzuholen, fiel mir in diesem Zusammenhang myhammer.de ein.

handwerker-Aufträge günstig bei MyHammer.de vergeben


Myhammer.de ist eine Plattform, auf der man Handwerkerdienstleistungen kostenlos einstellen kann und interessierte Handwerker können dann ein Angebot abgeben. An sich ist das eine feine Sache. Das ganze funktionierte auch recht reibungslos und am Ende der Laufzeit hatte ich drei Angebote, von denen ich - typisch Schwabe - das günstigste auswählte. Der Anbieter hatte 100% positive Bewerbungen, die zwar zum Großteil zu nicht-elektrotechnischen Arbeiten, ich ging aber mal davon aus, dass wenn man auf Elektriker-Arbeiten bietet, bei MyHammer einen entsprechenden Nachweis liefern müsse.

Der Möchtegern-Elektriker kommt und schließt den Herd an


Nun gut, am Donnerstag Abend, ich war auch erst zwei Minten zuvor nach Hause gekommen, kam dann der "Elektriker". Was schon seltsam war, seinen Spannungsprüfer und seine Schraubendreher transportierte er in einer Stofftasche! Ehrlich gesagt, da hätten bei mir eigentlich schon alle Alarmglocken angehen sollen, aber so richtig Gedanken habe ich mir da halt auch erst am Samstag nach dem Unfall gemacht. Der Herr schließt den Ofen an die Leitung an, anschliessend gab ich ihm den Schaltplan für das Kochfeld, worauf er nach kurzem Blick auf diesen Plan die Stecker des Kochfeldes auf das Anschlussfeld am Ofen steckte. Und dabei machte er einen kleinen aber entscheidenden Fehler, der meine Freundin am Samstag Abend - wenn nicht schon vorher - das Leben hätte kosten können. Im Anschluss daran, machte er noch eine Lastprüfung, d.h Herd und Ofen komplett anschalten und kurz warten, dass keine Sicherung fliegt. Das man aber dann auch noch eine Sicherheitsprüfung machen müsste, habe ich erst gestern von Herrn Merkt erfahren.

Samstag Abend - Feuerwerk in der Küche - Kurzschluss und viel Glück


Schon bei einigen Situationen zuvor hätte ein Unfall passieren können, das es aber erst am Samstag knallte und auch da nichts passiert ist, war verdammt großes Glück. So machten wir uns am Donnerstag Abend eine Pizza im Ofen heiß und am Freitag mittag - meine Freundin hatte frei, ich war arbeiten - kochte sich meine Freundin ein paar Nudeln ab und machte dazu eine Soße. Jedesmal hätte eine Berührung der metallischen Umrandung des Kochfeldes bei gleichzeitiger Berührung einer geerdeten Stelle schlimme Folgen haben können.

Jetzt also Samstag Abend. Wir hatten zuvor groß eingekauft und meine Freundin wollte eine Gemüsesuppe und zum Nachtisch Rote Grütze kochen. Die Suppe war gerade angesetzt und stand auf dem rechten unteren Kochfeld. Links unten stand noch der leere Topf von den Nudeln vom Vortag, auf dem linken oberen Kochfeld der Topf mit der Sauce vom Vortag.

Da der leere Nudeltopf im Weg war, nahm meine Freundin diesen und stellte ihn so auf dem Rand des Kochfeldes ab, dass der Topf diesen Rand und den Rand der Spüle berührte. Da ich - Gott sei Dank - noch keinen Wasserhahn angeschlossen habe, der den Strom geerdet hätte, ist hier nichts passiert. Im nächsten Moment nahm meine Freundin den Saucentopf vom linken, oberen Kochfeld, da sie dieses große Feld für die Rote Grütze nutzen wollte. Sie stellte den Topf rechts oben so auf dem Rand des Kochfeldes ab, so dass dieser nicht ganz ausbalanciert war. Ist ja auch klar, der Rand ist vielleicht maximal einen Zentimeter breit. Als sie den Topf los lies, kippte dieser leicht nach rechts, berührte dort das Gehäuse der Mikrowelle und da dieses geerdet ist kam es zum Feuerwerk!

So standen die Töpfe beim Kurzschluss:

Situation: Töpfe im Moment des Kurzschlusses

Das ganze ging dann etwa 2-3 Sekunden, dann flog eine der drei Sicherungen des Herds endlich raus. Ich danke dem lieben Gott immer noch, dass hier meiner Freundin und unserem Kind nichts passiert ist!!! Wäre sie beim Abstellen des Topfes direkt an die Mikrowelle gekommen - ich will es mir nicht vorstellen.

An den Berührstellen von Topf und Mikrowelle hat es nicht nur ordentlich gefunkt, der Topf hat jetzt dort eine Kerbe und an der Außenwand der Mikrowelle ist ein kleines Loch drin.

Mittwoch Abend - ein richtiger Elektriker kommt


Montag morgen um acht Uhr habe ich dann erst ein mal mir von der Handwerkskammer einen Gutachter vermitteln lassen, der sagte mir dann ich könne da jeden x-beliebigen Elektro-Fachbetrieb anrufen, die prüfen und protokollieren das. Da der erste angerufene Elektriker sich am Dienstag morgen noch nicht zurück gemeldet hatte, rief ich dann einen weiteren Elektriker an, der auch noch direkt in Stuttgart-Kaltental sitzt (da zeigte sich mal wieder: Wozu in die Ferne schweifen,...) und konnte dann für Mittwoch endlich einen Termin bekommen.

Um 16.30 Uhr kam dann Herr Merkt, der ja schon am Telefon erfahren hatte, was passiert war und war wohl auch schon sehr gespannt, was der Möchtegern-Kollege da angestellt hatte. Als erstes sollte ich dann die Sicherungen wieder einschalten und Herr Merkt nahm dann als erstes einen einfachen Spannungsprüfer, der nur ein optisches Signal gab, wenn eine Spannung anliegt. Und tatsächlich der Metallrand stand unter Spannung. Wie man auf den nachfolgenden Fotos bei der genauen Messung dann auch sehen kann, lagen die vollen 230V an:

Spannungsmessung Kochfeld Herd - Erdung über Wasseranschluss

Spannungsmessung Kochfeld Herd - Erdung über Wasseranschluss

Spannungsmessung Kochfeld Herd - Erdung über Wasseranschluss, Detailansicht Spannungsmesser



Was war falsch gelaufen?


Nachdem Herr Merkt dann den Anschluss des Kochfeldes genauer überprüfte, war auch ganz schnell klar, was der schlaue Möchtegern-Elektriker falsch gemacht hat. Und das ist so dämlich, dass er sich nicht nur als Elektriker disqualifiziert hat. Er hat doch tatsächlich die Erdung des Kochfeldes direkt auf das Anschlussfeld der Schalter gesteckt.

Erdungskabel direkt auf stromführende Schalterplatte gesteckt

Erdungsanschluss direkt auf stromgebende Anschlüsse gesteckt

Detailansicht: Erdungsanschluss direkt auf stromgebende Anschlüsse gesteckt

Herr Merkt brachte das ganze dann in Ordnung und machte anschliessend eine Sicherheitsprüfung und so kann der Herd jetzt (hoffentlich - denn eine gewisse Angst ist jetzt immer noch da), gefahrlos benutzt werden.

Mir war das ganze auf jeden Fall eine Lehre und beim nächsten Umzug, wird nur noch ein Elektro-Fachbetrieb beauftragt.

Ganz großes Dankeschön auch nochmal an Herrn Merkt, der sich viel Zeit genommen hat und wirklich fair abrechnet.



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Kommentare

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10 11 2008
#1 Kalle (Antwort)

Hi Dennis, Steffi und Blub ...

Good Luck to you ...

Man kann geteilter Meinung sein, aber wenn ich das lese, komme ich zum Schluß, daß McDonalds, KFC, Burgerking und Bring-Pizza doch recht gesund sind.

19 11 2008
#2 Ruben (Antwort)

Das ist ja wieder mal der Wahnsinn. Da merkt man wieder einmal, dass man auch MyHammer nicht unbedingt vertrauen kann! Die sollten ihre Mitglieder auch mal strenger prüfen. Aber ich glaube, die haben sogar ne Versicherung, da würde ich mal anfragen, dass die den Herrn Merkt bezahlen ;)

30 11 2008
#3 Dapema (Antwort)

Ich habe Deine ausführlichen Zeilen aufmerksam und mit gemischten Gefühlen gelesen. Ich habe zwar keine Ahnung von MyHammer würde aber (nicht nur aufgrund Deines Berichtes) Abstand von denen nehmen. Ich habe selber eine Elektrikerausbildung und 7 Jahre als Installateur gearbeitet. So etwas darf nicht passieren. Wo gearbeitet wird passieren Fehler, aber um diese auszuschließen ist die abschließende Prüfung da, besondere Aufmerksamkeit muss dabei immer dem Schutzleiter bzw. dem Potentialausgleich gelten. Für Eurer Erlebnis interessieren sich bestimmt einige... IHK, Handwerkskammer, Gewerbeaufsicht usw. Den Namen würde ich nicht veröffentlichen, das könnte Probleme geben... Ich wünsche Euch Dreien alles Gute...

01 12 2008
#4 Mark (Antwort)

Hammerhart! Bin ich froh, daß ich bisher "nur" mit Pfuschern zu tun hatte, die nichts lebensgefährlich verbaut haben.

06 02 2009
#5 Marcel (Antwort)

Oh mein Gott. Wenn ich mir vorstelle, dass wäre meine Freundin gewesen und mein Kind. Ich wüsste nicht, was ich mit dem Kerl gemacht hätte. Ich denke, der würde nicht mehr froh werden. Das kann doch nicht wahr sein. Wie kann es passieren, dass jemand der so pfuscht sich für so einen Job meldet. Das Leute Geld brauchen ist ja allen bekannt, aber man darf doch nicht einfach eine Anzeige schalten und dann an so einem Gerät herumbasteln. Das erlaubt einem doch schon der normale Menschenverstand nicht. Zumindest war ich bis grade eben der Meinung.


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